„Wir ergänzen uns in unseren Stärken und sind so die oft gesuchte eierlegende Wollmilchsau.“

Jobsharing-Tandem Dinah und Julia

Dinah und Julia bringen als Tandem viel Erfahrung und Energie mit.

Julia Münster und Dinah Remmel sind bereits erfahrene Jobsharerinnen. Sie haben sich bei einem internationalen Handelskonzern eine Position im Corporate Marketing geteilt. Aber nicht nur das, sie haben sich auch schon gemeinsam als Tandem beworben. Im Interview erzählen sie uns von ihren Erfahrungen im Jobsharing, den Herausforderungen einer Tandembewerbung und was sie sich von Unternehmen in Zukunft wünschen.

Liebe Julia, liebe Dinah, ihr seid ja schon erfahrene Jobsharerinnen und habt euch eine Position im Corporate Marketing geteilt. Wie kam es dazu und wie waren eure Erfahrungen damit?

Dinah: Wir hatten das Glück, zunächst zeitlich versetzt auf derselben Position zu arbeiten. Ich war damals in Elternzeit gegangen und wurde sozusagen von Julia in dieser Phase abgelöst. Als wir beide dann nach der Geburt wieder einstiegen, teilten wir uns genau diese Stelle wieder. Dies war insbesondere möglich, da wir beide Beruf und Familie und einen längeren Anfahrtsweg vereinbaren wollten und uns für Teilzeit entschieden hatten. Die Idee des Jobsharings fiel sofort auf fruchtbaren Boden bei unserer damaligen Chefin.

Julia: Sie hat uns sehr unterstützt und sie hat die Vorteile von Jobsharing erkannt. Ich finde es super, immer einen Sparringspartner an meiner Seite zu haben. Dinah und ich sind sehr verschieden und das ist genau der Vorteil. Wir ergänzen uns in unseren Stärken und sind so die oft gesuchte eierlegende Wollmilchsau.

Dinah: Es gab dabei definitiv eine Lernkurve. Wir hatten zwar zuvor schon in Projekten zusammengearbeitet, aber sich denselben Verantwortungsbereich zu teilen ist nochmal anders. Ich könnte mir vorstellen, dass es auch bei Vorgesetzten oft Befürchtungen gibt, dass eine so enge Verzahnung viele Konflikte in sich birgt. Wir haben diese enge Teamarbeit allerdings immer als eine Quelle der Motivation empfunden. Dabei haben wir uns gegenseitig nicht nur fachlich sondern auch emotional unterstützt.

Julia: Unsere Aufgaben haben wir passend aufgeteilt und bei gemeinsamen Projekten einen klaren Lead definiert. Deshalb hielt sich der Abstimmungsaufwand in Grenzen und doch haben wir von dem offenen Meinungsaustausch profitiert. Wir haben schnell gelernt, uns eng abzustimmen und transparent gegenüber unseren Kollegen zu kommunizieren, wer wofür zuständig ist. Wir haben uns bei Urlaub und Krankheit vertreten, so dass Fehlzeiten so gut wie gar nicht vorgekommen sind.

Ihr habt euch auch gemeinsam als Tandem beworben, oder? Welche Erfahrungen habt ihr dabei gemacht?

Julia: Ja, die Bewerbungen waren dann nochmal eine ganz andere Herausforderung. Grundsätzlich lassen sich Bewerbungen ja in zwei Arten unterscheiden: die per Mail und die über eine Bewerbungsplattform. Per Mail ist es leichter, sich als Tandem zu bewerben. Hier haben wir aber die Erfahrung gemacht, dass meist leider nur mit dem Absender kommuniziert wurde. Bei Bewerbungsplattformen sind schon die technischen Voraussetzungen schwierig. Hier standen wir vor der Frage: Legen wir ein gemeinsames Profil oder einzelne an? Zunächst haben wir jeder ein Profil angelegt und haben das gemeinsame Anschreiben hochgeladen. Leider wurde teilweise das Anschreiben nicht gelesen und so die Tandem-Bewerbung überhaupt nicht wahrgenommen. Dann haben wir auch einen gemeinsamen Lebenslauf und alle Unterlagen in einem gemeinsamen Profil hochgeladen. Die Stammdaten konnten wir dann aber entweder nur von Dinah oder mir anlegen. Auch gibt es Plattformen, auf denen man Aufgaben machen muss, um bestimmte Fähigkeiten wie analytisches Denken und Fremdsprachenkenntnisse, zu testen. Das ist für Tandem-Bewerbungen natürlich schwierig. Oftmals haben wir Standardabsagen erhalten, die überhaupt nicht auf die Tandembewerbung ausgerichtet sind.

Was denkt ihr, woran das liegt? Fehlt vielen Unternehmen noch das Verständnis für Jobsharing? Oder vielleicht auch der Mut, es auszuprobieren?

Julia: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es für viele Unternehmen komplettes Neuland ist, eine Tandem-Bewerbung zu erhalten. Vielleicht ist es Angst vor Neuem und vermeidlichem Mehraufwand, weshalb lieber eine Absage geschickt wird, als den Bewerbungsprozess mit einem Tandem zu durchlaufen. Das ist sehr schade. Die Unternehmen vertun so die Chance auf ein motiviertes, gut eingespieltes und hoch qualifiziertes Team.

Auf was achtet ihr bei euren Bewerbungen? Welche Tipps würdet ihr anderen Tandems geben?

Dinah: Wir suchen vor allem dynamische Unternehmen, bei denen wir etwas bewegen können und unsere strategischen Marketingkenntnisse einsetzen und erweitern können. Bei den Bewerbungen ist es wichtig, ein einheitliches Gesamtbild zu haben. Dazu gehören dann natürlich auch ein gemeinsamer Lebenslauf mit Foto.

Julia: Generell achten wir bei den Bewerbungen darauf, dass die Stelle uns beide anspricht. Aus unseren Erfahren können wir diese Tipps weitergeben: Im Anschreiben sollte das Jobsharing-Konzept erklärt und die Vorteile für den potentiellen Arbeitgeber dargestellt werden. Bei einem gemeinsamen Lebenslauf muss man auf eine einheitliche Formatierung achten. Eine gemeinsame E-Mail-Adresse macht es für alle Beteiligten einfacher, da meist nur eine von uns von den Unternehmen kontaktiert wurde.

Was wünscht ihr euch von Unternehmen?

Julia: Ich wünsche mir, dass Unternehmen flexibler in ihren Arbeitsmodellen werden. Ich bringe ja nicht nur meine Leistung ein, sondern auch meine Erfahrungen, die ich außerhalb des Jobs mache. Zum Beispiel habe ich durch das Jobsharing-Modell genügend Zeit, mich ehrenamtlich um das Marketing für den Green Forest Fund zu kümmern.

Dinah: Aus meiner Sicht ist es kein Makel, in Teilzeit zu arbeiten. Es ist auch nicht so, dass man plötzlich nach der Geburt seiner Kinder weniger qualifiziert ist. Mein großer Wunsch ist es deshalb, dass Arbeitgeber Möglichkeiten für flexible Arbeitszeitmodelle anbieten – und zwar auch in hochqualifizierten Positionen. Langfristig gesehen ist das besonders zukunftsträchtig und auch ein Wettbewerbsvorteil in einer vernetzten und mobilen Welt. Ich wünsche mir, dass Arbeitgeber erkennen, wie viel Energie hinter einem Zweier-Gespann steckt und welche Vorteile es ihnen bringen kann.

Vielen Dank für das Interview und eure Tipps!

Hier gibt es übrigens noch mehr Bewerbungs-Tipps für Tandems.

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