Vereinbarkeit von Familie und Beruf & Vorteile für den Arbeitgeber – Jobsharing bei der Kreissparkasse Augsburg

Christian Weh und Pia Diecke haben als Tandem Zeit für ihren anspruchsvollen Beruf UND ihre Familien

Christian Weh und Pia Diecke teilen sich bei der Kreissparkasse Augsburg einen Job in der Firmenkundenberatung. Wie sie sich als Tandem gefunden haben und welchen Mehrwert Jobsharing für die Kunden und die eigenen Familien hat, erzählen sie uns im Interview.

Christian Weh und Pia Diecke, Sie teilen sich bei der Kreissparkasse Augsburg den Job in der Firmenkundenberatung. Wie kam es dazu? Und wie haben Sie sich als Team gefunden?
Christian Weh: Meine Frau hatte nach acht Jahren Eltern- und Teilzeit die Möglichkeit eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen. Damit war jedoch ein Vollzeit-Arbeitsplatz verbunden. Glücklicherweise war genau zu dieser Zeit Pia dabei den Wiedereinstieg nach der Elternzeit zu machen. Da wir beide die gleiche fachliche Qualifikation und berufliche Erfahrungen haben, war schnell klar, dass ein Tandem eine sehr gute Lösung sein kann. Als sich dann herausstellte, dass sich unsere möglichen Arbeitszeiten perfekt ergänzen und sicher gestellt ist, dass die Stelle damit täglich besetzt ist, war auch die Kreissparkasse davon überzeugt. Wir sind beide sehr offene Menschen und die „Chemie“ stimmte von Anfang an. Daher benötigten wir auch keine lange Einarbeitungsphase.
Pia Diecke: Besser hätte ich die Findung nicht beschreiben können. Es ist wirklich eine tolle Sache – die deshalb so gut funktioniert, weil wir uns sehr gut verstehen und schätzen. Ich bin seit vielen Jahren bei der Kreissparkasse angestellt. Während einer kurzen beruflichen Veränderung, da ich der Liebe wegen zu meinem Mann gezogen bin, stand ich immer noch im Kontakt zu den früheren Kollegen. Unser erstes Kind kam in Karlsruhe zur Welt und nachdem die Verbindung zur Kreissparkasse nicht abriss, konnte ich beim Umzug in die alte Heimat Augsburg schnell wieder den Einstieg im Firmenkundenbereich bei der Kreissparkasse finden. Erst nach dem 2. Kind gab es dann die Idee zum Tandem mit Christian und das war für mich ein Glückstreffer.

Was sind Ihre Beweggründe, weniger zu arbeiten?
Christian Weh: Ich habe zwei Töchter (6 und 9 Jahre alt), zwei Tage in der Woche können diese nachmittags von Oma und Opa betreut werden, an den anderen Tagen bin ich zuhause. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, die Betreuung unserer Kinder selbst zu übernehmen und sie nicht in eine Nachmittagsbetreuung zu geben. Das ist nur mit reduzierten Arbeitszeiten möglich.
Pia Diecke: Bei mir sind es ebenfalls die beiden Kinder (2,5 und 4,5 Jahre), die neben Kindergarten und Krippe nicht an allen Tagen von Oma und Opa nachmittags betreut werden sollen und können. Des Weiteren stand bei uns privat in 2015 und 2016 ein Hausbau an, welcher auch Kapazitäten benötigte.

Wie sieht Ihr Jobsharing ganz praktisch aus, wie organisieren Sie Ihren Arbeitsalltag?
Christian Weh: Wir haben die Wochentage untereinander so aufgeteilt, dass unsere Stelle von Montag bis Freitag stets besetzt ist und unsere Kunden einen Ansprechpartner haben. Pia Arbeitet 50% und ich 60%, somit gibt es einen kleinen Übergang und wir haben die Möglichkeit, uns immer wieder persönlich auszutauschen und Übergaben zu machen. Ansonsten kann man sich sehr gut über Cc-Mails oder im EDV-System hinterlegte Notizen auf dem Laufenden halten. Mit der Zeit hat sich automatisch eine gewisse Kundenzuordnung ergeben, so dass einzelne Kundenanliegen nicht immer hin und her übergeben werden müssen, sondern in einer Hand bleiben.
Pia Diecke: Unsere Kunden wissen von dem Tandem und akzeptieren das überraschenderweise völlig unproblematisch. Ich habe sogar das Gefühl, dass viele es schätzen, zwei Berater (männlich/weiblich) zu haben. Mit zunehmendem Arbeitsanfall wird künftig auch ein Homeoffice-Zugang für uns beide vorhanden sein. So dass sogar Krankheits- und Urlaubszeiten im Tandem größtenteils selbst gedeckt werden. Dies stellt auch für die Kreissparkasse einen enormen Zugewinn dar.

Was glauben Sie ist besonders wichtig, damit Jobsharing gelingt? Und was zeichnet Sie als Tandem aus?
Christian Weh: Jobsharing kann nur gelingen, wenn beide Partner sich gleichermaßen für das gemeinsame Ziel engagieren. Eine weitere Grundvoraussetzung ist die persönliche Sympathie untereinander. Das Besondere an unserem Tandem ist, dass einer die Schwächen des anderen ausgleichen kann. Oftmals macht es auch einen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau dem Kunden gegenüber sitzt, hier können wir uns abstimmen und schauen, wer mit dem Kunden oder der Kundin besser klar kommt und uns entsprechend organisieren.
Pia Diecke: Da stimme ich Christian komplett zu. Wichtig ist auch, dass der Arbeitgeber sich darauf einlässt und Vertrauen in Arbeitsleistung und -zeit des Tandems hat.

Wie reagieren Ihre Kollegen und Vorgesetzten auf Ihr Arbeitsmodell?
Christian Weh: Am Anfang war diese Konstellation natürlich auch in unserem Haus ein Novum und nicht alle waren sofort davon überzeugt. Aber die Praxis hat gezeigt, dass ein Tandem sehr gut funktionieren kann. Negatives von Kollegen habe ich noch nicht mitbekommen.
Pia Diecke: Auch ein Betrieb muss erst in der Praxis lernen. Die Kreissparkasse hat sich auf die Idee der Personalabteilung eingelassen und das Projekt „Tandem“ ist unseres Erachtens nach geglückt. Für die Kollegen ist es mittlerweile völlig selbstverständlich, wechselnde Tandempartner zu sehen. Wichtig ist, dass man auch aus dem Alltag lernt und ggf. kleinere Stellschrauben nachjustiert (z. B. Arbeitszeiten, Vertretungsregelungen, Ausstattung des Arbeitsplatzes).

Familie & Karriere zu vereinbaren – Macht Jobsharing das möglich?
Christian Weh: Jobsharing ist eine sehr gute Möglichkeit zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bei der sich auch noch Vorteile für den Arbeitgeber ergeben. Wenn z.B. einer von uns Urlaub hat oder krank sein sollte, deckt der jeweils andere seine Arbeitszeiten ab und es fallen weniger Vertretungszeiten an. Jobsharing fordert aber auch viel Flexibilität von den Job-Partnern, um beiden Anforderungen gerecht zu werden: Denen des Arbeitgebers und denen der Familie.
Pia Diecke: Es ist meines Erachtens die einzige Möglichkeit bei gewissen Berufsbildern wie z.B. in der beratungsintensiven Firmenkundenbetreuung. Unsere Kunden erwarten Professionalität und Seriösität. Dies aber immer auf einer guten Vertrauensbasis. Unsere Kunden haben mit unserem „Tandem“ zwei Berater, die Kundenbetreuung ähnlich verstehen und leben. Ich denke, das fühlt der Kunde. Neben der Flexibilität ist es wichtig, dass man auch Zeiten für Weiterbildung und organisatorischen Arbeitsaufwand einplant. Trotz der luxuriösen Situation, dass wir Großeltern vor Ort haben, müssen beide Jobs „Firmenkundenbetreuung“ und „Elternsein“ zeitlich gut in Einklang gebracht werden.

Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: „Jobsharing ermöglicht mir…
Christian Weh: …für meine Kinder da zu sein und weiterhin die anspruchsvolle Tätigkeit als Firmenkundenbetreuer auszuüben.
Pia Diecke: …nicht auf meinen Beruf verzichten zu müssen und mich hierin auch weiterentwickeln zu können. Außerdem Zeit für die Kinder zu haben und an deren Entwicklung teilhaben zu können.

Herzlichen Dank für Ihre Zeit und den interessanten Einblick!

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