„Tandemploy ist mehr als Jobsharing“

So sieht flexibles Arbeiten im Tandemploy Büro aus

Flexibles Arbeiten im Tandemploy-Büro. © Mai / Heygster

Vor 3 Jahren ging das Berliner Unternehmen Tandemploy mit der gleichnamigen Jobsharing-Plattform an den Start und ist seitdem aus der HR-Szene und den Diskussionen um die „Zukunft der Arbeit“ nicht mehr wegzudenken. Das Interesse an dem Arbeitsmodell und dem Tandem-Matching auf der Plattform ist ungebrochen – steht es doch für eine ganz konkrete Möglichkeit, Arbeit tatsächlich anders zu gestalten.

Mittlerweile hat sich viel getan – Tandemploy flexibilisiert mit der neuen Software flex:workz ganze Unternehmen – vom Mittelstand bis zum Weltkonzern – von innen heraus.
Was es damit auf sich hat und wie die weiteren Pläne sind, das haben uns Anna Kaiser und Jana Tepe, die beiden Gründerinnen und Geschäftsführerinnen eines mittlerweile 20-köpfigen Teams, im Interview erzählt.

Eure Jobsharing-Plattform wurde über 15x ausgezeichnet und es gibt kaum ein Medium, das nicht über sie berichtet hätte. Warum gibt’s jetzt was Neues – und was ist das überhaupt genau?

Anna: Wir bleiben natürlich nie stehen. Mit unserer Jobsharing-Plattform richten wir uns nach wie vor an Jobsuchende, die bei uns einen Tandempartner finden, mit dem sie sich zu zweit (als eierlegende Wollmilchsau sozusagen) bewerben können. Für Firmen erschließen wir damit eine neue Zielgruppe hochqualifizierter Talente, die bewusst nach anderer Arbeit suchen.

Jana: Auf der anderen Seite gibt es aber natürlich auch Millionen von Menschen, die bereits in Organisationen arbeiten – und sich dort flexiblere Arbeitsformen wünschen. Und auch für die Firmen steigt der Druck, agiler und damit wettbewerbsfähiger zu sein, ganz erheblich.

Anna: Immer mehr Firmen kamen daher auf uns zu und haben nach Lösungen gefragt, wie sie innerhalb der Organisation ihre Arbeitsmodelle flexibilisieren – und Mitarbeiter dort zu Tandems matchen – können.

Was geschah dann?

Jana: Da hat es bei uns „Klick“ gemacht – und wir haben basierend auf unserer Tandemploy-Technologie eine Software entwickelt, die Firmen nun intern einsetzen können. Diese Software geht weit über Jobsharing hinaus – hat aber natürlich weiterhin diesen einen Baustein. Neben Jobsharing-Tandems bringt unsere Software (die übrigens flex:workz heißt) nämlich auch Kollegen für Mentoring-Tandems, Projeke oder eine Jobrotation bzw. einen Jobswitch zusammen.

Jobsharing war also euer erster konkreter Startpunkt hin zu einer anderen Arbeitswelt – und jetzt flexibilisiert ihr sie komplett :-)?

Anna: (lacht) Ja, so ungefähr. Tandemploy ist mittlerweile viel mehr als Jobsharing. Um eine Organisation zu flexibilisieren und die starren Strukturen und Silos langsam aufzubrechen, braucht es ein Mosaik an flexiblen Arbeits- und Kollaborationsformen. Da gehört Jobsharing definitiv dazu – aber eben auch noch mehr!

Tandemploy.com war die weltweit erste Jobsharing-Plattform. Was ist das Besondere an eurer Software flex:workz?

Jana: Sie ist die erste Flexibilisierungs-Software, die von den Mitarbeitern selber (Bottom-up!) genutzt wird. Hier gestalten nicht maßgeblich HR und Management, sondern alle gemeinsam. Jeder Mitarbeiter kann ein Profil anlegen und bekommt basierend darauf automatisch Matchingvorschläge für passende Kollegen, mit denen er einen Job teilen oder tauschen, sein Wissen verbinden oder ein Projekt umsetzen kann. So entwickeln die Mitarbeiter Initiative und vor allem konkrete Lösungsvorschläge, statt mit Problemen auf ihre Führungskräfte zuzukommen. Und HR bekommt endlich authentische Auswertungen darüber, was die Mitarbeiter wirklich wirklich wollen.

Anna: Beim gesamten Thema „Flexibilisierung von Arbeitsmodellen und -strukturen“ ist einfach noch so viel zu tun! Es ist das HR-Trend-Thema 2017 und wird als die wichtigste Voraussetzung für die erfolgreiche Digitalisierung von Geschäftsprozessen und -modellen gesehen – aber auf der anderen Seite noch viel zu oft als „Mode-Thema“ abgestempelt. Dabei ist es in höchstem Maße erfolgskritisch und damit überlebenswichtig.

Gibt es bereits Erfolgsbeispiele, wie sich Unternehmen mit flex:workz „von innen heraus“ flexibilisiert haben?

Jana: Den Erfolg von flex:workz hatten wir schon erwartet, aber in seiner Intensität hat er uns dann doch ganz schön überrascht. Mittlerweile setzen bereits mehrere DAX-Konzerne (teils auch weltweit) unsere Software ein – und nun kommen immer mehr mittlere und kleinere Unternehmen dazu.

Anna: Die Resonanz der Mitarbeiter in den Firmen ist toll – denn allein der Einsatz der Software zeigt ihnen ja: ‚Hier könnt (und sollt ihr sogar!) mitgestalten, die Zukunft der Arbeit ist für uns keine leere Worthülse, sondern etwas, das wir gemeinsam mit euch angehen wollen!‘

Tandemploy-Gründerinnen Jana Tepe und Anna Kaiser

Jana Tepe und Anna Kaiser verändern gemeinsam die Arbeitswelt. © Mai / Heygster

In den letzten 4 Jahren seit Gründung hat sich bei euch unglaublich viel getan, ihr konntet in der Arbeitswelt schon Einiges in Bewegung bringen. Was hat das mit euch selber, als Unternehmerinnen und Menschen gemacht? Was hat sich vielleicht auch bei Tandemploy selber geändert?

Jana: Wir sind gewachsen, als Menschen, Unternehmerinnen und natürlich auch als Firma. Bald werden wir 25 Teammitglieder sein, das ist eine ganz andere Situation, als zu dritt Dinge auf dem Reißbrett zu entwerfen und sich mal eben schnell über den Tisch hinweg abzusprechen. Auch wir brauchen mittlerweile Regeln und Rituale, um weiterhin maximal flexibel zusammenarbeiten zu können. Wir experimentieren selber viel mit neuen Arbeitsformen und wollen uns hier immer die größtmögliche Offenheit und unseren Optimismus und die Freude bewahren.

Anna: Als Unternehmerinnen spüren wir natürlich eine gesellschaftliche Verantwortung. Wir jungen Firmen können aktiv Dinge verändern, schneller mal neue Wege gehen, ja – vielleicht sogar neue Maßstäbe setzen. Ein Praktikant sagte uns letztens, wir hätten ihn für immer für den Arbeitsmarkt versaut, er könne einfach nie wieder woanders arbeiten. Das ist mit das Schönste, was man Jana und mir sagen kann – auch wenn wir ihm natürlich ausdrücklich wünschen, dass es genau andersherum sein wird und sich der Arbeitsmarkt, auch ein Stückweit durch uns, immer mehr flexibilisiert und menschlicher wird.

Was sind denn nun eure weiteren Pläne? Was kommt als nächstes?

Jana: Gerade haben wir eine Finanzierungsrunde über 3 Million Euro abgeschlossen und tolle Investoren mit an Board geholt. Mit dem ehemaligen Finanz- und Personalvorstand von SAP, Dr. Werner Brandt, sowie dem Gründer und Managing Partner der hkp/// group, Michael Kramarsch, haben wir zwei absolut erfahrene strategische Partner gewonnen, die unsere Vision teilen und mit denen wir nun insbesondere die Weiterentwicklung von flex:workz vorantreiben werden.

Anna: Was nun ansteht, ist – Jana hat es schon kurz angedeutet – vor allem die Weiterentwicklung von flex:workz und seinen Features und, übergeordnet, die Graswurzel-Flexibilisierung unserer Arbeitswelt. Flexibilisierung kann man einfach nicht ‚top-down‘ anordnen und dann sickert sie schon irgendwie durch. Das passiert nicht, da kann man lange warten.

Was ist eure Vision?

Jana: Wir verändern die Arbeitswelt. Mit weniger geben wir uns nicht zufrieden.

Vielen Dank liebe Jana und liebe Anna – für eure Zeit und die spannenden Einblicke!

Tandemploy entwickelt seit 2013 innovative HR-Technologie für flexible Arbeit und Jobsharing. Bisher war das Berliner Unternehmen vor allem für seine Jobsharing-Plattform Tandemploy.com bekannt, seit Kurzem geht es mit seiner Software flex:workz noch einen Schritt weiter. flex:workz ist die weltweit erste cloud-basierte Flexibilisierungs-Software, die den Menschen wirklich konsequent in den Mittelpunkt stellt: Hier gestalten die Mitarbeiter*innen die oft beschworene “Zukunft der Arbeit”: bottom-up, eigeninitiativ, in ihren Arbeitsalltag integriert und zur jeweiligen Unternehmenskultur passend. Im geschlossenen Raum kann sich jede/r Mitarbeiter/in ein Profil anlegen und mittels eines smarten Matchings ganz leicht interessante Kollegen innerhalb der Organisation finden – zum Beispiel für Projekte, Jobrotations und Mentoring-Tandems.

 

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für so einen faszinierenden Artikel! Habe mit großem Vergnügen über Tandemploy gelesen. Um ehrlich zu sein, habe ich darüber nie gehört, jetzt verstehe ich aber, dass es wirklich, wie Jana gesagt hat, die Arbeitswelt verändern kann! Viel Glück den beiden Entwicklern und, wer weiß, vielleicht werde ich in diesem Project teilnehmen!

  2. Ingrid Kopp

    Wunderbar, das hätte ich mir früher sehr gewünscht!

    Man kann die graue Schrift aber so schlecht lesen, wie wär’s mit dem bescheidenen schwarz?

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