Karriere UND Zeit für Familienleben & Herzensprojekte: Jobsharing bei der kartenmacherei

Angela Puschner und Anna Bilek setzen als Tandem auf Vertrauen – auf menschlicher und auf fachlicher Ebene.

Angela Puschner und Anna Bilek teilen sich bei der kartenmacherei die Stelle Head of Content Marketing als Tandem. Im Interview haben sie uns erzählt, warum sie weniger arbeiten, wie ihr Jobsharing ganz praktisch aussieht und welche Vorteile es gegenüber der klassischen Teilzeitstelle hat. Außerdem haben sie noch ein paar Tipps für gutes Jobsharing.

Wie kam es dazu, dass Sie im Jobsharing arbeiten? Was war Ihre Motivation, weniger zu arbeiten?
Angela Puschner: Ich habe einen zweijährigen Sohn und eine gute Balance zwischen Arbeit und Familienleben ist mir einfach sehr wichtig. Daneben ist es in München wirklich schwer eine Ganztagsbetreuung zu bekommen. Mir war von Anfang an klar, dass ich nach der Elternzeit in Teilzeit in meinen Beruf zurückkehren werde. Und ich bin sehr froh, dass mein Arbeitgeber es mir so einfach gemacht hat. Dazu muss man sagen: Bei der kartenmacherei sind Führungskräfte in flexiblen Arbeitsmodellen etwas völlig normales. Da der Bereich, den wir als Tandem verantworten, sehr groß ist, war es an der Stelle einfach logisch, den Job auf zwei Köpfe zu verteilen.
Anna Bilek: Ich arbeite in Teilzeit, weil ich neben meinem Beruf – den ich leidenschaftlich gerne mache – Zeit für andere Herzensprojekte haben möchte. Ich schreibe zum Beispiel unheimlich gern. Das braucht aber Ruhe und Zeit. Es hat lange gedauert, bis ich den Schritt in die Teilzeit gewagt habe, um mehr Freiraum für mich zu gewinnen. In meinem Kopf waren viele Vorurteile verankert: Wie zum Beispiel, dass Karriere nur in Vollzeit möglich ist. Bei der kartenmacherei hingegen sind ein anspruchsvoller Beruf und Teilzeit kein Widerspruch. Als Tandem sind wir natürlich doppelt stark. Das ist gut für das Team, das immer einen Ansprechpartner hat. Und auch für uns, weil wir uns gegenseitig unterstützen.

Wie haben Sie sich als Tandem gefunden? Und was zeichnet Sie als Team aus?
Angela Puschner: Von Beginn an stand die Idee im Raum unsere Position als Tandem zu besetzen, weil der Aufgabenbereich sehr umfangreich und heterogen ist. Aus fachlicher Sicht ist die Kombination aus Anna und mir optimal, weil sich unsere Erfahrungsschätze sehr gut ergänzen. Da Anna während meiner Elternzeit zur kartenmacherei gekommen ist, kannten wir uns kaum als wir zum Tandem wurden. Wir haben aber sofort gemerkt, dass wir gut zusammenpassen.
Anna Bilek: Wir haben uns gefunden, ohne dass es eine Suche gab. Unser Glück ist, dass von Anfang an Vertrauen da war – auf menschlicher und auf fachlicher Ebene. Unsere Wertvorstellungen und Arbeitsweisen sind sich sehr ähnlich. Das erleichtert unsere Zusammenarbeit immens.

Wie sieht Ihr Jobsharing ganz praktisch aus, wie organisieren Sie Ihren Arbeitsalltag?
Anna Bilek:
Wir haben die unterschiedlichen Themengebiete klar zwischen uns aufgeteilt. Das hilft uns, den Überblick zu behalten und Doppelarbeit zu verhindern. Natürlich geben klare Verantwortlichkeiten auch dem Team Orientierung, an wen sie sich mit einer spezifischen Fragestellung wenden können. Gleichzeitig legen wir hohen Wert darauf, dass zwischen uns absolute Transparenz herrscht. Dadurch können wir jederzeit füreinander einspringen, wenn es brennt.
Angela Puschner: Wir nehmen uns jeden Tag 15-30 Minuten Zeit, um uns gegenseitig auf den neusten Stand zu bringen sowie Entscheidungen und nächste Schritte zu diskutieren. Darüberhinaus haben wir einen wöchentlichen Jour Fixe eingeführt, in dem wir uns mit dem Management abstimmen. Auch das ist für uns sehr wichtig, um sicherzustellen, dass wir in den unterschiedlichsten Themen in die richtige Richtung „laufen“. Denn Teilzeit bedeutet auch, dass man wirklich effizient arbeiten muss.

Haben Sie konkrete Tipps für andere Tandems?
Angela Puschner: Am wichtigsten ist das gegenseitige Vertrauen. Dass es bei uns von Anfang an da war, ist ein reiner Glücksfall. Dennoch nehmen wir externes Coaching in Anspruch, was wir auch jedem Tandem empfehlen würden. Der Blick von außen hilft ungemein, um sich besser zu organisieren und Konflikte zu eliminieren, bevor sie überhaupt entstehen können.
Anna Bilek: Ein Coach ist neutral, daher ist es für ihn einfacher uns auf den Zahn zu fühlen, auch wenn es weh tut. Denn gerade weil man sich sehr sympathisch ist, ist es manchmal schwer, Kritik aneinander offen zu äußern. Dabei ist es genau das, worauf es ankommt: Frühzeitig Themen zu adressieren, bevor aus Kleinigkeiten die sprichwörtlichen Elefanten werden.

Wie reagieren Ihre Kollegen und Vorgesetzten auf Ihr Arbeitsmodell?
Angela Puschner: Flexible Arbeitsmodelle sind bei der kartenmacherei gelebter Alltag. Daher ist eine Tandem-Lösung für unsere Kollegen und Vorgesetzten nichts Exotisches sondern ganz einfach eine pragmatische Lösung.

Sehen Sie Vorteile & Unterschiede eines Jobsharings im Vergleich zu klassischer Teilzeit?
Anna Bilek: Der klare Vorteil des Jobsharings ist natürlich, dass man zu zweit deutlich mehr schafft als alleine. Sehr angenehm ist auch, dass im Fall von Krankheit oder Urlaub immer eine Vertretung da ist. Aber was noch viel wichtiger ist: Man hat einen wertvollen Sparringspartner, mit dem man sich auf Augenhöhe über Fach- und Führungsthemen austauschen kann. Jeder bringt seine Erfahrungen ein und wir lernen viel voneinander. Dadurch werden wir nicht nur effizienter, sondern auch einfach besser in dem, was wir tun.

Bitte vervollständigen Sie den folgenden Satz: „Jobsharing bedeutet für mich…“
Angela Puschner: …eine Führungsposition mit dem Familienleben vereinbaren zu können.
Anna Bilek: …einen anspruchsvollen Beruf auszuüben und dennoch genug Freiraum für mich selbst zu haben.

Vielen Dank für Ihre Zeit und den schönen Einblick!

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