„Gestaltet Eure geteilte Aufgabe so, dass Ihr Sinn erlebt “ – Jobsharing bei Vitronic

Personalleiterin Anja Bach findet als Arbeitspsychologin die Idee des Jobsharing „alternativlos gut“.

VITRONIC ist ein international ausgerichtetes Familienunternehmen und gehört zu den Weltmarktführern der industriellen Bildverarbeitung in den Kernbereichen Industrie- und Logistikautomation und Verkehrstechnik. Mit Jobsharing will das Unternehmen seinen Mitarbeitern die Vereinbarkeit von beruflichem und privatem Leben langfristig ermöglichen. Wir haben mit der Personalleiterin Anja Bach über Vor- und Nachteile des Jobsharings, die Kultur bei VITRONIC und ihre Wünsche an zukünftige Tandems gesprochen.

Wie kam es dazu, dass VITRONIC nun Jobsharing anbietet? Wie sind Sie darauf aufmerksam geworden?
Im November 2014 hatte ich das große Glück, gemeinsam mit 19 anderen Personalern an der ersten HR-Safari der Good School & Stephan Grabmeier in Berlin teilzunehmen. Die zwei Tage haben mein Rollenverständnis von Personalarbeit und mein Knowhow über Digitalisierung und Industrie 4.0 massiv verändert. Bei einem Innovationspitch im hubraum Berlin habe ich auch Anna und Jana von Tandemploy kennengelernt. Ihre Startup-Idee hat mich gleich begeistert. Ich wusste ‚Irgendwann wirst Du das umsetzen, es fehlen nur noch der richtige Rahmen und Zeitpunkt‘.

Ist das bereits ein Thema im Hightech-Bereich? Oder sind Sie damit Vorreiter?
Ich kann nicht sagen, ob VITRONIC damit Vorreiter im Hightech-Bereich ist. Und Jobsharing ist ja auch nicht neu. Ich meine, dass es bereits in den 70er Jahren Jobsharing in der öffentlichen Verwaltung gab, weil Stellen bei der Müllabfuhr nicht mehr besetzt werden konnten.
Für mich persönlich ist neu, welch großes Interesse durch Generation Y und Z es an flexiblen Zeitmodellen gibt. Ich sehe mich als Vermittlerin zwischen einem großen Bedürfnis nach sinnstiftender Arbeit, die aber für viele heute keine Vollzeit-Arbeit mehr sein muss, und den Arbeitgeberinteressen und Möglichkeiten. Denn egal wie gut wir Jobsharing vorbereiten und durchdenken, den Vorteilen, zum Beispiel zwei Kompetenzen auf einer Stelle zu haben, stehen Nachteile gegenüber. Übergaben und Absprachen werden aufwendiger, Meetingzeiten im Team müssen gut koordiniert werden. Es braucht einen Arbeitsplatz für zwei, denn das fast überschneidungsfreie Tandem, das nur einen Arbeitsplatz benötigt, habe ich noch nicht erlebt. Und es braucht Zeit für die Führung und Förderung von zwei Menschen.

Was begeistert Sie am Jobsharing-Modell?
Die Idee, dass sich zwei Menschen flexibel ein Aufgabengebiet teilen, dabei ihre Kompetenzen bündeln und jeder für sich zeitlich viel flexibler arbeiten kann, ist für mich als Arbeitspsychologin alternativlos gut. Ich bin fest davon überzeugt, dass Personaler solche Modelle gar nicht schnell genug anbieten können. Wenn es für Familienväter und –mütter, für Menschen mit einem eigenen Business neben der Festanstellung, Menschen mit ambitionierten Hobbies und einer Vision für ihre eigene Lebensplanung, ältere Arbeitnehmer, die kürzer treten, aber ihr Knowhow weitergeben möchten, irgendwie finanzierbar ist, werden sie im Jobsharing arbeiten wollen.

Für welche Bereiche könnten Sie sich Jobsharing am besten vorstellen?
Jobsharing kann an jedem Arbeitsplatz funktionieren. Es gibt natürlich Unternehmensbereiche und Führungskräfte, die sich schneller von der Idee anstecken lassen. Je kreativer und aufgeschlossener die Führungskraft, je höher die räumliche und zeitliche Planbarkeit einer Aufgabe und je dringender eine Stellenbesetzung ist, desto leichter probiert ein Fachbereich auch Jobsharing aus. Wir testen zurzeit im Marketing und im Personalbereich, weitere Fachbereiche sind zukünftig vorstellbar.

Wenn Sie drei Wünsche an Ihr erstes Jobsharing-Tandem formulieren könnten, welche wären das?
1. Gestaltet Eure geteilte Aufgabe so, dass Ihr Sinn erlebt und jeden Tag gern arbeitet.
2. Schafft Euch die Rahmenbedingungen, die Ihr für ein gut funktionierendes Tandem braucht. In unserer Kultur dürft und sollt Ihr das.
3. Gebt Eure Begeisterung weiter, bei VITRONIC und außerhalb.

Was zeichnet Vitronic als Arbeitgeber aus?
Wir sind ein international ausgerichtetes Familienunternehmen, das 1984 gegründet wurde und gerade aus dem Mittelstand herauswächst. VITRONIC hat eine Belegschaft, die zu großen Teilen aus Ingenieuren besteht,  und zurzeit 12% Frauenanteil. Wir halten unsere Mitarbeiter durch unser einfaches, zugängliches Miteinander, angefangen bei einer kompletten Du-Kultur. Führungskräfte und Geschäftsführer sind zugänglich und für jeden leicht ansprechbar. Die Diskussionskultur hat soziokratische Züge. Jede/jeder von uns trägt Mitverantwortung sowohl für den Erfolg der Organisation als Ganzes als auch für sich selbst und sein Team. Durch unser starkes Wachstum der letzten Jahre fehlen teilweise noch angemessene Strukturen und Prozesse für die neue Unternehmensgröße. Jede/r neue Mitarbeiter/in wird schnell in sehr große Verantwortung gebracht. Zu uns passen deshalb Menschen, die gern viel gestalten, über Hierarchiegrenzen hinweg ihre Meinung einbringen und Neues nachhaltig aufbauen.

Herzlichen Dank für Ihre Zeit! Wir freuen uns, dass Sie Jobsharing begeistert umsetzen und wünschen dafür ganz viel Erfolg!

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