„Man kann sehr entspannt auch mal nicht da sein“ – Topsharing bei T-Systems

Kerstin Roulet und Regina Benz bilden ein Topsharing-Tandem bei T-Systems – sie teilen sich zu zweit eine Führungsposition. Wie das in der Praxis geht und welche Möglichkeiten es mit sich bringt, hat uns Frau Roulet (Foto) im Interview erzählt.

Sie teilen sich eine Führungsposition bei T-Systems, gab es da anfangs nicht viele Skeptiker? Wenn ja, wie konnten Sie diese überzeugen?
Es gab eigentlich wenig Skeptiker, die sich gegenüber mir direkt ‚geoutet‘ haben. Später habe ich erfahren, dass es im Management doch einige Skeptiker gab, die sich wohl im Vorfeld oft gefragt haben ob das überhaupt funktionieren kann. D.h. die Skepsis war vorab wohl doch sehr groß und flachte dann ebenso schnell ab, nachdem wir angefangen hatten. Es scheint einfach zu gut funktioniert zu haben, da war es schwierig mit den Negativstimmen…. :). Zusätzlich dazu gab es genügend positive Stimmen der direkt betroffenen Mitarbeiter – da sind vermutlich die letzten Zweifel zerstreut worden.

Sie beide waren zuvor bereits in Vollzeit Führungspositionen. Wo merken Sie die größten Unterschiede?
Der größte Unterschied besteht aus meiner Sicht darin, dass man sich davon verabschieden muss, für 100% verantwortlich sein zu können. Dazu kommt natürlich die Abstimmung mit dem Tandempartner, man kann nicht mehr autark entscheiden. Daraus resultiert gegebenenfalls einiges an Konfliktpotential, aber es gibt im Gegenzug meiner Meinung genauso viele Vorteile, die man als einzelne Führungskraft nicht hat.

Was sind das für Vorteile? 
Je nach Verteilung der Stärken, Schwächen und Interessen in einem Tandem, ergeben sich Vorteile für die Tandem-Führungskräfte selber, aber auch für das betreute Team und/oder das Unternehmen. Z.B. kann man sich die Arbeitsgebiete entsprechend der Stärken aufteilen. Derjenige mit einer Stärke für Zahlen oder Excel, kann die Controlling-Aufgaben des Teams übernehmen. Der andere ist vielleicht eher kommunikationsstark und sieht seine Stärken in der Außendarstellung, dieser kann sich dann um die mehr nach außen gerichteten Themen kümmern. Grundlage dafür ist natürlich, dass man selber die eigenen Stärken und Schwächen und die des Partners kennt und akzeptiert und damit umgehen kann. Darin liegt Konfliktpotential, aber in Summe auch sehr viel Optimierungspotential. Man selber kann dann mehrheitlich das machen, wo man sich sicher fühlt und gut ist – der andere übernimmt entsprechend seiner Stärken Bereiche, die einem nicht so liegen. Damit ist man sehr effektiv unterwegs.

Würden Sie sagen, dass Ihr jetziger Job auch in klassischer Teilzeit oder Vollzeitnaher Teilzeit machbar wäre? Oder braucht es auf jeden Fall einen starken Sparringspartner, um Ihren Job teilzeittauglich zu gestalten?
Je nach Mitarbeiteranzahl und Größe des Verantwortungsbereichs kann man auch alleinig in Teilzeit führen. Das habe ich schon selber praktiziert – das Team war eher klein und der Aufgabenbereich mir sehr gut bekannt und bestand zum großen Teil aus BAU-Tätigkeiten (business as usual), war also nicht sehr dynamisch. Das Team und meine Kontakte konnten gut mit meiner Teilzeitverfügbarkeit leben – und im Zeitalter der Mobiltelefone ist man für die Notfälle dazwischen ja auch immer erreichbar. Die aktuelle Tätigkeit, die Führung des Teams bei der T-Systems, würde das aufgrund Mitarbeiteranzahl und der Dynamik der Aktionen nicht ermöglichen.

Würden Sie ohne Zögern unterschreiben, dass das Jobsharing Sie produktiver und glücklicher macht?
Nein – Job Sharing ermöglicht mir aktuell den Job auszuüben, der mir am meisten Spaß macht. Dass ich produktiver und glücklicher bin empfinde ich nicht so, ich fühle mich aber auch nicht unglücklicher oder unproduktiver. Als absolut positiv ist hervorzuheben, dass man in einem Tandem sehr entspannt auch mal nicht da sein kann, einfach weil der Tandempartner einen immer besser vertreten kann als eine temporäre Vertretung.

Herzlichen Dank für Ihre Zeit, Frau Roulet! 

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