„Das Beste aus beiden Welten bekommen“ – Jobsharing bei der Deutschen Bahn

Myriam und Jakob arbeiten beide eher pragmatisch, haben aber unterschiedliche Herangehensweisen.

Myriam Krawczyk und Jakob Hasselgruber teilen sich eine Projektleitungsstelle, Thema e-Learning als Tandem bei der DB Akademie der Deutschen Bahn AG. Im Interview erzählen sie uns von ihrem Jobsharing-Start, warum sie weniger arbeiten und wie sie sich gefunden haben.

Wie kam es dazu, dass ihr im Jobsharing arbeitet? Was war eure Motivation, weniger zu arbeiten?
Myriam: Ich bin im Februar 2016 Mutter geworden und das wollte ich gerne weiterhin genießen können. Zudem habe ich so wahnsinnig viele Ideen, was ich gerne mit meinen Händen erschaffen möchte. Mich 40 Stunden die Woche oder mehr an einen Job zu binden, kommt für mich grade nicht in Frage. Dass ich nun mit Jakob ein Tandem bilde, kam für mich zufällig. Ich habe nicht konkret danach gesucht, aber die Bahn hat es mir angeboten und nach ein wenig innerem Ausloten hab ich mich drauf eingelassen.
Jakob: Ich hatte schon seit einigen Jahren den Wunsch nach mehr Zeit für eigene Projekte, z.B. eine Weiterbildung als Coach oder Trainer und für Kunstprojekte. Neben meiner spannenden, aber zeitintensiven Arbeit für die Deutsche Bahn hatte ich für solche Projekte aber nie ausreichend Zeit. Über meine Arbeit und die Verbindung zu Tandemploy kam mir dann die Idee, dass Jobsharing eine gute Option sein könnte, weil die Deutsche Bahn und DB Akademie flexible Arbeitsmodelle in ihrer neuen Unternehmenskultur unterstützt. Glücklicherweise war auch meine Führungskraft offen für solche innovativen Vorschläge.

Wie habt ihr beiden euch gefunden?
Jakob: Nach der Zustimmung meiner Führungskraft habe ich mich mit unserer Rekrutierungsabteilung per Stellenausschreibung auf die Suche nach meiner „anderen Hälfte“ gemacht. Da kam Myriam dann als sehr gute Bewerberin daher und hat mich und meine Führungskraft persönlich und fachlich direkt überzeugt.
Myriam: Ich hätte diesen Job und schon gar nicht das Tandem je gefunden. Da war das Recruiting der Bahn sehr gut. Nach einem Vorstellungsgespräch war es dann eine Bauchentscheidung.

Ihr teilt euch seit dem 01.03.2017 eine Projektleitungsstelle, Thema e-Learning. Wie klappt es bisher? Und was sind eure Herausforderungen? Erzählt doch mal von eurem Start.
Myriam: Jakob und ich hatten im November 2016 etwas mehr als drei Wochen Einarbeitung und Übergabe, danach habe ich ihn in Teilzeit für drei Monate vertreten im Projekt. Das war auf verschiedene Weise eine Herausforderung. Inhaltlich, organisatorisch, aber auch emotional. Nun ist er seit zwei Wochen wieder da, und ich bin einfach nur erleichtert. Aktuell bin ich so guter Dinge, weil ich nicht mehr alleine bin mit den Themen, dass die Hürden verblasst sind. Aber die Themen Verantwortlichkeiten, nach Außen einheitlich zu kommunizieren sowie als ein Job-Tandem und zu gleich als zwei Personen gesehen zu werden, kommen bestimmt schneller auf uns zu, als mir grade lieb ist. Wir sind ja die ersten in unserem Bereich, die es wagen. Ich mache mir aber tatsächlich mehr um äußere Faktoren Gedanken, als um uns zwei als Tandem. Da sagt mir weiterhin mein Bauchgefühl, dass das klappt.
Jakob: Ich bin gerade aus drei Monaten im Sabbatical zurückgekehrt. Myriam ist schon einen Monat zuvor eingestiegen und hat dann bereits sehr schnell einen tiefen Einblick in alle Facetten, auch die Komplikationen, unseres Projekts bekommen und die wichtigsten Stakeholder kennengelernt. Das Wissen um sie als eine verlässliche  Vertreterin im Projekt hat mir ein sehr gutes Gefühl für meine zeitweise Auszeit gegeben. Inzwischen finde ich, dass wir beide uns persönlich sehr gut verstehen. Wir arbeiten beide eher pragmatisch und haben ähnliche inhaltliche Ziele, aber unterschiedliche Herangehensweisen, da stimmte mein erster Eindruck. Da wir beide 50% arbeiten (Myriam 5 halbe Tage, ich 2,5 Tage am Stück), müssen wir die Tage in der Woche gut planen, um überhaupt gemeinsame Arbeitszeit für Projektsteuerung und -entwicklung haben und saubere Übergaben machen zu können. Wir haben zudem noch zwei weitere Projektmitarbeiter, deren fachliche Steuerung wir auch planen müssen.

In welcher Hinsicht seid ihr euch ähnlich und wo unterscheidet ihr euch?
Myriam: Wir brennen beide für das Thema e-Learning und haben klare Ziele. Wir sind wohl auch beide eher der Machertyp und lean und agil unterwegs. Das ist schon mal eine solide Grundlage, denke ich. Die Unterschiede zwischen uns liegen dann bei unserem Herangehen an eine Sache. Ich kenne Jakob jetzt noch nicht so gut, aber ich glaube er hat ein Adlerauge, immer von oben Alles im Blick. Ich komme eher aus dem Detail zum großen Ganzen.
Jakob: Ich glaube wir beide treffen gerne schnell Entscheidungen mit konkreten  Ergebnissen und sind eher pragmatisch unterwegs. Uns verbindet das Interesse und die Liebe für das Thema innovatives Lernen verbunden mit Digitalisierung. Unterschiedlich ist zunächst einmal unsere Lebenssituation. Myriam wohnt mit Familie nicht direkt in Berlin und hat auch mal längere Fahrzeiten ins Büro, ich wohne in Kreuzberg mit meiner Frau. Zudem haben wir unterschiedliche berufliche Vorerfahrungen, denn Myriam kommt aus dem Startup-Umfeld und ich bringe Konzernerfahrung mit, das ergänzt sich aber glaube ich sehr gut.

Habt ihr eure Aufgaben bereits aufgeteilt? Wie organisiert ihr eure Woche?
Jakob: Wir sind noch dabei, die Aufgaben und Themen final aufzuteilen. Dabei ist es uns aber jetzt schon wichtig, einen Tag in der Woche zusammen an einem Ort (meistens Potsdam oder Berlin) zu arbeiten. Sonst sind wir mit unserem Projektteam und anderen Kollegen virtuell miteinander verbunden (DB Messenger, Social Media, Trello etc.) und versuchen von Beginn an agil zu arbeiten, v.a. mit Scrum.
Myriam: Es gibt ein paar Aufgaben, deren Zuordnung sich irgendwie automatisch, aus der Geschichte heraus, ergibt. Bei den anderen sind wir noch im Gespräch. Da gibt es noch einiges zu tun, aber wir sind ja grade erst gestartet. Auch wie unsere Woche am besten gestaltet werden kann, müssen wir noch ausprobieren.

Bitte vervollständigt den folgenden Satz: „Jobsharing bedeutet für mich…“
Myriam: …Vor-Mutter-Ich und Mutter-Ich ein Kennenlernen zu ermöglichen.
Jakob: …das Beste aus beiden Welten zu bekommen: Motiviert für DB unterwegs sein zu können und trotzdem Zeit und Energie für meine eigenen Projekte zu haben.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die Arbeit als Tandem!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.