#ChangeAgent Tobias Reitz – Veränderung durch Experimentierfreude

In unserer Rubrik #ChangeAgents stellen wir Menschen vor, die uns ermutigen, etwas anzupacken und zu verändern. Starke Köpfe, die sich mit viel Leidenschaft für eine menschlichere Arbeitswelt einsetzen und damit ein Umdenken in Gang bringen und Veränderungsprozesse aktiv mitgestalten. Unsere #ChangeAgents sind Vorbilder, Querdenker, Multiplikatoren und Andersmacher.

Tobias Reitz ist einer der Gründer und Gesellschafter von quäntchen + glück. Die Agentur führt Unternehmen und Organisationen auf den Weg durch den digitalen Wandel. Wandel, den das Team aus Digitalstrategen, UX-Designern und Webentwicklern täglich lebt. Ob Urlaubsflatrate, Mitarbeitergespräche im Speeddating-Format, „quämp“ oder „quarantäne“ – wer #ChangeAgent sein will, muss experimentieren.

Tobias, wenn Du eine Sache am Arbeitsmarkt sofort verändern könntest, welche wäre das?

Seit ich vor einem Jahr Papa geworden bin, beschäftigt mich die Frage, warum nicht mehr Väter Elternzeit nehmen. Meine Frau und ich haben die ersten drei Lebensmonate von unserem Sohn gemeinsam zu Hause verbracht. Seitdem teilen wir uns das Arbeiten und die Betreuung nach dem 50-50-Prinzip auf. Was für uns nur fair ist, ist in Deutschland die Ausnahme. Und das ist schade, denn es bedeutet, dass Väter wegen ihrer Karriere auf ihre Kinder verzichten und Frauen wegen ihrer Kinder auf ihre Karriere. Das muss doch nicht sein. Im Jahr 2017. Ich wünsche mir Arbeitgeber, die Vätern und Müttern die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie ermöglichen. Und einen Gesetzgeber, der das fördert. In Schweden beispielsweise können Eltern 480 Tage bezahlte Elternzeit nehmen – 90 Tage davon sind für den Vater reserviert. Das wäre doch ein Anfang für die deutsche Arbeits- und Familienpolitik.

Was ist Dein persönlicher Beitrag dazu, dass sich etwas tut?

Wir haben in unserer Agentur einen Grundsatz: „Wenn’s ein Problem gibt, mach ‘ne Party daraus!“ Vor einigen Jahren haben wir gemerkt, dass klassische Mitarbeitergespräche allein nicht zu unserer flachen Hierarchie passen. Also haben wir „Speedback“ erfunden: Zweimal pro Jahr gibt nun jeder jedem Feedback – wie beim Speeddating zehn Minuten pro Paar, dann wird gewechselt. So kommen alle ins Gespräch. Aus dem Problem, dass im Arbeitsalltag nicht genügend Zeit bleibt, darüber zu sprechen, wie wir arbeiten, wurden „quämp“ und „quarantäne“. Zu Jahresbeginn schließen wir uns einige Tage in der Agentur ein, im Sommer fahren wir irgendwo ins Funkloch. Klassische Unternehmen nennen das Klausurtagung. Was ein aus der Zeit gefallenes Wort. Während diesen mehrtägigen Treffen oder irgendwann dazwischen denken wir uns Experimente wie die Urlaubs-Flatrate oder unser neues Mitbestimmungs-Modell aus. Wir diskutieren darüber, wie Gehälter bestimmt werden sollen, wie die Mittagspause besser werden kann und wie wir weniger diskutieren und mehr machen können. Dahinter steht die Überzeugung, dass – zumindest bei unserer Branche und Unternehmensgröße – Netzwerke stärker sind als Hierarchien, Kollaboration besser ist als Konkurrenz und Spaß besser als Bierernst.
Das alles zeigt sich auch in der Tatsache, dass es für mich als Gründer und Gesellschafter möglich ist, gemeinsam mit meiner Frau das 50-50-Prinzip zu leben.

Wie sieht für Dich ein Unternehmen aus, das für die „Arbeitswelt von Morgen“ gewappnet ist?

Was man über dieses „Morgen“ wissen muss, ist, dass wir kaum etwas wissen können. Am besten gewappnet für die Zukunft sehe ich die Unternehmen, die in der Lage sind, sich schnell auf neue Technologien und Veränderungen am Markt und in der Gesellschaft einzustellen. Dafür braucht es Flexibilität, Experimentierfreude und den Mut, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen. Und es braucht Menschen, die diese Buzzwords mit Leben füllen.

Lieber Tobias, vielen Dank für Deine Zeit & Experimentierfreude!

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