#ChangeAgent Katja Thiede – mit flexibler Kinderbetreuung zu einer familienfreundlichen Arbeitswelt

© Meiko Herrmann

In unserer Rubrik #ChangeAgents stellen wir Menschen vor, die uns ermutigen, etwas anzupacken und zu verändern. Starke Köpfe, die sich mit viel Leidenschaft für eine menschlichere Arbeitswelt einsetzen und damit ein Umdenken in Gang bringen und Veränderungsprozesse aktiv mitgestalten. Unsere #ChangeAgents sind Vorbilder, Querdenker, Multiplikatoren und Andersmacher.

Katja Thiede ist Mitgründerin von juggleHUB – einem Coworking Space mit flexibler Kinderbetreuung. Ihr Ziel ist es, die Arbeitswelt familien- und damit menschenfreundlicher zu gestalten. Um das Thema voranzutreiben, schreibt sie außerdem Artikel, tritt als Speakerin auf, organisiert Veranstaltungen und spricht mit Unternehmen. Damit ist sie definitiv eine unserer #ChangeAgents.

Katja, wenn Du eine Sache am Arbeitsmarkt sofort verändern könntest, welche wäre das?

Ich würde mir wünschen, dass Eltern – und insbesondere Mütter – nicht als Arbeitskräfte zweiter Klasse gesehen und behandelt werden. Dass Elternschaft als etwas gesehen wird, dass wertvoll ist für die persönliche Entwicklung eines Menschen und für die Gesellschaft im Allgemeinen und dass sich das in einem wertschätzenden Umgang mit Mitarbeiter/innen, die Kinder haben, widerspiegelt. Dazu gehört, Bedingungen zu schaffen, unter denen Menschen so arbeiten können, wie es zu ihrem Leben passt. Und so, dass es sie nicht „ausbrennt“.

Was ist Dein persönlicher Beitrag dazu, dass sich etwas tut?

Mit dem juggleHUB – einem Coworking Space mit flexibler Kinderbetreuung – haben meine Mitgründerin Silvia und ich einen Ort geschaffen, an dem Menschen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen arbeiten, lernen und sich vernetzen können. Und das auch und gerade, wenn sie Kinder bekommen. Unser Coworking-Konzept richtet sich dabei nicht nur an Selbstständige, sondern auch an Unternehmen, die bei uns ganz einfach Fakten schaffen können in puncto „familienfreundliche Arbeitsbedingungen“. Indem sie ihren Mitarbeiter/innen ermöglichen, bei Bedarf bei uns zu arbeiten und die Kinderbetreuung zu nutzen. „Ermöglichen“ heißt, dass Unternehmen sich nicht nur für ortsunabhängiges Arbeiten öffnen, sondern dieses Modell gegebenenfalls auch finanziell mittragen, also Coworking- und Kinderbetreuungskontingente für Mitarbeiter/innen bereitstellen. Hier führen wir gerade viele Gespräche, mit großen Unternehmen ebenso wie mit Mittelständlern, Agenturen und Start-ups. Dabei zeigt sich leider immer wieder, wie viel noch zu tun ist auf dem Weg zu einer familien- und letztendlich menschenfreundlichen Arbeitswelt. Aber wir bleiben hartnäckig und legen den Finger immer wieder in die Wunde. Ich trete zum Beispiel als Speakerin auf Veranstaltungen auf, schreibe Blogbeiträge und Artikel zum Thema „New Work“.  Im juggleHUB organisieren wir zudem immer wieder Veranstaltungen zum Austauschen und Netzwerken, um mit Eltern, Unternehmen, Betreuerinnen, Initiativen – sprich allen, die es betrifft – ins Gespräch zu kommen und Dinge voranzutreiben.

Wie sieht für Dich ein Unternehmen aus, das für die „Arbeitswelt von Morgen“ gewappnet ist?

Ein solches Unternehmen stellt den Menschen wieder in den Mittelpunkt. Und zwar den Menschen in seiner Individualität, mit seinen vielfältigen Lebensweisen und -wegen und variierenden Lebenssituationen. Das hat Auswirkungen nicht nur darauf, wie Arbeitsbedingungen gestaltet werden, sondern auch auf die Personalauswahl und -entwicklung. Das heißt zum Beispiel „Abschied nehmen“ vom linearen Lebenslauf. Umbrüche im Leben gehören dazu – und sollten auch so gesehen werden. Berufliche Weiterentwicklung muss in allen Lebensphasen möglich sein, unabhängig davon, ob jemand zwei Monate in Elternzeit war oder zwei Jahre. Für ein fortschrittliches Unternehmen ist ein Jahr Erziehungs- oder Pflegezeit eben nicht weniger wert als ein Jahr Erasmus. Und es ist egal, ob da eine „potentielle Mutter“ vor mir sitzt oder ein „potentieller Vater“, weil es selbstverständlich ist, dass auch männliche Mitarbeiter Erziehungszeit nehmen oder die Stunden reduzieren. Überhaupt wird eine potentielle Elternschaft nicht als Gefahr gesehen, sondern als selbstverständlicher Teil des Lebens, dem Unternehmen mit Wertschätzung und entsprechenden Arbeitsmodellen begegnen. Kurzum: Ein Unternehmen, das für die Arbeitswelt von morgen gewappnet ist, versucht nicht länger, den Menschen an den Arbeitsmarkt anzupassen, sondern die Arbeitsbedingungen an den Menschen.

Liebe Katja, vielen Dank für Deine Zeit & das Engagement!

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