„Die größten Hürden bestehen in den Köpfen“ – Topsharing Coach Julia Kuark im Interview

Julia Kuark forscht in der Schweiz bereits seit vielen Jahren zum Thema Jobsharing. Außerdem begleitet und coacht sie Topsharing-Tandems, also Jobsharer, die sich eine Führungsposition teilen. Im Interview hat sie uns erzählt, was sie am Jobsharing und Topsharing begeistert – und warum die größten Hürden in den Köpfen der Menschen bestehen.

Sie forschen seit vielen Jahren zum Thema Jobsharing, haben zahlreiche Publikationen dazu veröffentlicht und beraten und begleiten Jobsharing-Paare. Was hat Ihre Begeisterung für das Thema geweckt?
Beim Jobsharing begeistert mich das Prinzip der gemeinsamen Entscheidungen und Prozessplanung. Gemeinsam können viel kreativere Lösungen als im Alleingang entwickelt werden. Führen ist für mich vor allem vorausschauend lenken und gestalten im Dialog – und das ist es auch was das „Sharing“ ausmacht.

Was sind die besonderen Herausforderungen, wenn Sie Topsharing-Tandems, also Jobsharer auf Führungsebene, begleiten?
Einerseits muss man nicht jedes Mal das Rad neu erfinden, da kann ich mein Basis an Erfahrungen weitergeben. Andererseits ist jede Situation speziell und jedes Team hat seine Eigenheiten – dafür gibt es keine Rezepte sondern nur individuelle Lösungen, die gemeinsam erarbeitet werden müssen.

Was sind Ihrer Erfahrung nach die größten Hürden, die Unternehmen bei der Implementierung von Jobsharing sehen? Und sind diese wirklich so schwer zu überwinden?
Die grössten Hürden bestehen in den Köpfen. Oftmals gibt es noch ein sehr konventionelles Führungsverständnis und bestimmte implizite Erwartungen an Führungspersonen. Diese müssen reflektiert und angepasst werden. Innovative Arbeitsmodelle setzen eine gewisse Offenheit voraus und werden am besten Schritt für Schritt angegangen.

Was war Ihr schönstes Jobsharing-Erlebnis in den letzten Jahren? Lernen Sie manchmal Tandems kennen, die gemeinsam Außerordentliches zustande bringen?
Es gab verschiedene sehr schöne Erlebnisse! Ich freue mich immer wieder über positive Rückmeldungen, zum Beispiel erst letztens über den Dank einer Jobsharerin, die nach 8 Jahren erfolgreichem Topsharing in die Pensionierung ging. Oder über den Moment, in dem das erste Mal zwei Männer als Co-Leitungsteam in meine Beratung kamen. Alle Jobsharer bringen meiner Meinung nach etwas Außergewöhnliches zur Stande, weil sie ein innovatives Arbeitsmodell umsetzen.

Gibt es für Sie nach so vielen Jahren überhaupt noch Mysterien, was das Jobsharing betrifft? Zahlen, die Ihnen fehlen? Beweise, die Sie gerne hätten? Vorbilder, die Sie vergeblich suchen?
Das Tolle an der Beratungstätigkeit ist, dass es nie langweilig wird; es gibt immer neue Aspekte zu entdecken und besondere Herausforderungen zu meistern. Ich bin aber immer dankbar um Studienergebnisse, z.B. Wirtschaftlichkeitsberechnungen, die die erweiterten qualitativen Aspekte rund um das Thema „innovative Arbeitsmodelle“ berücksichtigen. Kürzlich wurde eine Bestandsaufnahme über Jobsharing in der Schweiz veröffentlicht, die den aktuellen Stand aufzeigt. Solche Ergebnisse sind wichtig, um die Entwicklung zu dokumentieren. Es freut mich auch, dass viele jüngere Personen das Thema aufgreifen.

Haben Sie Empfehlungen an Tandems oder solche, die es werden möchten?
Ich möchte ermuntern, ein Anfang zu machen und auszuprobieren. Finden Sie einen Tandem-Partner und erstellen Sie ein gemeinsames Profil. Denken Sie auch daran, dass die Umsetzung eines neuen Modells ein Prozess mit Hochs und Tiefs ist; wenn es bei einer ersten Bewerbung nicht klappt, bleiben Sie dran. Der soziale Zusammenhalt in einem Tandem kann auch über Enttäuschungen hinweg helfen und die Freude ist doppelt so groß, wenn etwas gelingt. Feiern Sie jeden noch so kleinen Erfolg!

Vielen herzlichen Dank für Ihre Zeit und Antworten!

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